Beförderung ist ein Berufswechsel– es gibt wenig anderes was so oft ignoriert wird


Grundsätzliches

wer meine Beiträge in öffentlichen Foren und hier in meinem Blog verfolgt hat, weiß mit den Verantwortlichkeiten bereits einiges anzufangen.

Beginnen möchte ich hier mit folgendem praktischen Beispiel:

Sie arbeiten in einem Unternehmen aus dem verarbeitenden Gewerbe. Sie stehen in der Abteilung P(Produktion) 3 an einer Maschine. Es ist Ihre Aufgabe diese zu bedienen und Teile in einer gewisser Menge herzustellen. Ihre Schicht besteht aus 8 Mitarbeitern + Schichtleiter. Ihre Abteilung besteht aus 3 Schichten mit je 8 Mitarbeitern.

Ich gehe bei dem Beispiel nicht auf den Entwurf eines Organigramms oder Organigraphen (= Schematische Darstellung des Kommunikationsverhaltens in Organisationen oder Unternehmen) ein. Es geht hier nur um den Vorgang einer Reihe von Beförderungen und den Veränderungen in den Abteilungen.

Für eine erste Einstimmung eine Graphik:

Beförderung

 

Nun zur Erklärung:

Sie sind Mitarbeiter des Unternehmens und haben, im Rahmen Ihrer Handlungsverantwortung, dafür Sorge zu tragen das Sie die vorgegebene Anzahl der Teile herstellen, Ihre Maschine und Anlagen pfleglich zu behandeln, alle vereinbarten Vorgaben bezüglich der Arbeitszeit, Arbeitssicherheit, wenig Ausschuss zu produzieren. usw. einzuhalten. Ihnen bleibt in diesem Zusammenhang lediglich die Wahl wie Sie diese Ziele erreichen, wie Sie die betrieblichen Vorgaben umsetzen.

Nun hat Ihr Vorgesetzter festgestellt dass Sie zu wesentlich mehr in der Lage sind. Sie haben in der Abteilung ein recht hohes Ansehen, erledigen vorbildlich Ihre Arbeit, kommen nie zu spät usw. “Zufällig” wird eine Stelle als Schichtleiter frei oder ist neu zu besetzen. Ihr Vorgesetzter bittet zum Gespräch. Selbstverständlich unter 4 Augen.

Sie gehen also ins Büro und Ihr Vorgesetzter offeriert Ihnen: Kollege(in) ich bräuchte einen Schichtleiter und alles spricht für Sie. Was sagen Sie? Sie nehmen die Stelle an, was ein Schichtleiter macht haben Sie gesehen.

So einfach geht das……Wirklich?…..NEIN !!! Nicht wenn es richtig läuft:

Mit Ihrer neuen Stellung als Schichtleiter fällt ein Teil Ihrer Handlungsverantwortung weg und Sie haben ab sofort ein zusätzliches Gebiet: Die Führungsverantwortung! Können Sie das? Haben Sie das gelernt weil Sie es beim Schichtleiter gesehen haben? NEIN!

ACHTUNG: Übernehmen Sie eine Stelle für die Sie nicht ausreichend qualifiziert sind dann haften Sie im Rahmen des ÜBERNAHMEVERSCHULDENS. Übergibt Ihr Vorgesetzter Ihnen diese Verantwortung dann trifft ihn ÜBERLASSUNGSVERSCHULDEN! Es gilt die Regel: Führungsverantwortung ist NICHT übertragbar!

Mit Ihrer neuen Stellung sind Sie eine Führungskraft. Sie müssen Entscheidungen treffen in denen Sie zunächst zu unterweisen sind! Ihnen ist zunächst mitzuteilen (auch per Arbeitsvertrag) wofür Sie ab sofort verantwortlich sind, welches Weisungsrecht Ihnen zugestanden wird uvm. Es gilt für Sie nun den Beruf (die Funktion) einer Führungskraft zu erlernen und diese Funktion mit “Leben” zu füllen.

Sie sind nun für die Einteilung ihrer 8 Mitarbeiter zuständig, sind für den ordnungsgemäßen Schichtverlauf verantwortlich und müssen evtl nur noch begrenzt an die Maschine an der Sie so lange gearbeitet haben. Dann wenn jemand krank ist, Urlaub hat o.ä. Ihre Handlungsverantwortung ist also nicht mehr nur das ordnungsgemäße Bedienen der Maschine. Sie müssen evtl für Reparaturen sorgen, ne ganze Produktion runterfahren /wenn keiner aus der Chefetage zu erreichen ist uvm. Sie haben mit dieser ersten Beförderung also schon ein ganz anderes Berufsbild, tragen andere Verantwortung. Und Sie sind noch immer Teil der Schicht.

Das alles klingt recht spannend, ist es auch. Es gibt aber nicht nur positives zu berichten:

In meinen Jahren (ich bin seit 1996 in verschiedenen Funktionen in völlig verschiedenen Unternehmen) habe ich auch einige male folgende Erfahrungen mitbekommen:

Oft, wenn aus der Mitte eines Teams jemand befördert worden ist, gibt es Leute aus der Abteilung die sich in Neidtiraden üben, die den Beförderten das Leben schwer machen. Von Spott über Häme bis hin zu völliger Blockade gab es die gesamte Spannbreite der Emotionen. Auch damit müssen Sie als Führungskraft umzugehen lernen.Ihr Vorgesetzter wird Sie dabei unterstützen. Wenden Sie sich zunächst vertrauensvoll an ihn.

Spannend wird nun der nächste Schritt:

Sie haben sich nun eine ganze Zeit als Schichtleiter bewährt. Nun beginnt das ganze Spiel von vorn. Ich kürze da ab. Sie werden Abteilungsleiter!

Was nun: Sie sehen an der Graphik: Sie haben weniger Handlungsverantwortung aber noch mehr Führungsverantwortung. Wofür sind Sie nun verantwortlich? Wenn Sie das oben beschriebene verstanden haben, ist es jetzt recht simpel:

Als Abteilungsleiter sind Sie verantwortlich für die 3 Schichtleiter. Hier tragen Sie (nicht verwirren lassen)

cura in eligiendo Sorge um die Auswahl)

cura in instruendo Sorge um die Unterweisung

cura in custodiendo Sorge um die Überprüfung

Erfüllen Sie auch nur eine dieser drei Grundpflichten nicht und es passiert etwas, dann trifft SIE Führungsverschulden. Mit der Übernahme einer Führungsfunktion müssen Sie hier in jedem Fall ganz genau sein. Am besten (wenn nicht sowieso betrieblich vorgeschrieben) dann dokumentieren Sie die Erfüllung der drei Grundpflichten sehr genau. Das ist es was Ihnen notfalls auch gerichtlich als Beweis dienen kann.

Sie sehen worauf ich hinaus will?

Richtig! Durch die sinnvolle Übertragung gewisser Verantwortlichkeiten werden Sie immer für eine überschaubare Anzahl direkt Unterstellter Mitarbeiter verantwortlich sein.

Zu diesem Punkt habe ich aber bereits in anderen Beiträgen Stellung genommen.

noch etwas zur Aufmunterung……….

Wenn Sie eine Zeit lang jeden Tag 8 Stunden lang vorbildlich Ihre Arbeit tun, sich nichts zu Schulden kommen lassen, Sie in der Firma gemocht werden, nie krank sind und initiativ sind dann haben Sie gute Chancen auf eine Funktion in Ihrer Firma mit 16 Stunden am Tag, das Doppelte an Arbeit, immer mit einem Bein vorm Richter zu stehen, von niemanden gemocht zu werden, Magenschmerzen Ihr täglicher Begleiter ist und Sie schon am Morgen müde sind…..

nicht so ganz ernst gemeint Zwinkerndes Smiley 

Auch hier wieder ein paar abschließende Gedanken:

Beförderung ist ein Berufswechsel weil:

-sie nicht mehr nur Handlungsverantwortung tragen

-Sie Zusätzlich Führungsverantwortung tragen

-Sie Weisungsberechtigt sind

-Sie in diesem Rahmen auch haftbar sind und für Ihre Entscheidungen auch rechtfertigen müssen 

Mit dem Aufsteigen in der Hierarchieebene nimmt Ihre fachliche Verantwortung für die einzelnen Mitarbeiter ab. Statt dessen steigt Ihre Verantwortung für die Auswahl des Richtigen Mitarbeiters. Wenn ich mich recht erinnere, lautet eine Weisheit: “Ich mache niemals Sachen selbst die Andere viel besser erledigen können”

Genau darum geht es je höher man aufsteigt. Es geht nachher im Management nicht mehr darum das die Unternehmensleitung wirklich ALLES aus JEDEM Fachgebiet kann. Der Manager braucht keine Maschine bedienen zu können oder zu wissen wie welches Teil einer Anlage wofür ist. Er muss aber sehr wohl jemanden haben der das kann und der Manager muss die Ergebnisse zu interpretieren wissen und als Entscheidungsgrundlage verstehen.

Die richtige Person, am richtigen Platz zur richtigen Zeit mit den richtigen Aufgaben zu betrauen – das ist die Kunst der Personalführung und der Personalentwicklung.

Um zurück zu kommen auf Sie als Schichtleiter: Das ist dann auch Ihre Aufgabe. Eine spannende Herausforderung für den zu Führenden genau wie für die Führungskraft.

Ich habe Ihnen nun geschildert wie das in der verarbeitenden Industrie aussieht. Wie aber läuft das bei kleinen Unternehmen mit 10 – 20 Mitarbeitern oder gibt es einen Unterschied zum Dienstleistungsgewerbe?

Grundsätzlich gibt es KEINEN Unterschied was die Verantwortlichkeiten betrifft. Die Organisationsgestaltung ist Managementaufgabe – nicht umsonst spricht man von einem Organisationsverschulden. Das Organisationsverschulden liegt immer dann vor wenn auf Grund unklarer Verhältnisse z.B. in den Aufgaben und Kompetenzen und Verantwortlichkeiten etwas passiert. Kann man das auf Grund eines Fehlers der Organisation eindeutig zuordnen dann spricht man vom Organisationsverschulden. Die Verantwortung hierfür trifft immer das Management! 

Für Menschen die sich Beruflich damit beschäftigen heißt der Begriff: “Gerichtsfeste Organisation”.

So, für einen ersten Eindruck denke ich die Zusammenhänge ein wenig klarer gemacht zu haben. Mir geht es in diesem Blogbeitrag in erster Linie darum, dem beförderten Mitarbeiter eine Einsicht in seine neuen Verantwortung zu geben.

Sollte in Ihrem Unternehmen, in Ihrer Organisation oder in Ihrem Verantwortungsbereich diesbezüglich etwas für Sie unklar sein und sie möchten sich zunächst erkundigen? Schreiben Sie mir einfach eine Mail an: management-referent@t-online.de Wie immer, werde ich Ihnen gern auch vertraulich antworten! Sie können mir auch gern Vorschläge über mögliche Themen zuschicken. Auch dafür, Herzlichen Dank!

Ich wünsche Ihnen, falls eine Beförderung bevor steht, alles Gute und viel Erfolg in Ihrer neuen Funktion!

Nähere Informationen über mich auch unter: http://www.management-referent.de

Ihr Silvio Tederahn

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