Vom Management für´s Management


Wir leben in einer Zeit die immer schneller, immer höhere Anforderungen an uns, an Unternehmen und Organisationen stellt. Was gestern noch Top war ist heute eher hinderlich – gar gefährlich – für den Fortbestand.

Mit jeder neuen Mode, mit jedem Hype tun sich “Experten” hervor die versuchen Zusammenhänge zu erkennen, mit empirischen Studien und wissenschaftlichen Abhandlungen einen Stempel aufzudrücken der den Erkenntnissen respektive deren Generalisierung einfach nicht gerecht wird.

Das gilt insbesondere auch für den Bereich Management!

Tausende Bücher, Management Gurus, Consulting Unternehmen erklären Ihnen warum nun genau das eine System anzuwenden ist und warum es erfolgreich sein wird. Schließlich, so die Begründungen, hat dieses System ja bei Unternehmen x oder y absolut bewiesen wozu es fähig ist.

Wie kommt nun diese Erkenntnis zu Stande?

1.

Es werden bei Top Unternehmen Führungskräfte gefragt was sie nun für das Erfolgsmodel verantwortlich machen. In den Begründungen wird man nun den Entstehungsprozess durchweg positiv bewerten. Läuft das Unternehmen schlecht dann fällt die Bewertung eben negativ aus. Diese Unternehmen hingegen wird man nicht in entsprechendem Maße befragen. Man will ja ein Erfolgsmodel erkennen und analysieren.

Problematisch wird es nun aber mit der Realität wenn man sich folgendes bewusst macht: Wirkliche Objektivität wird und kann es nicht geben. Die Einschätzung hängt immer auch vom Management, von den Führungskräften ab. Sie ist also subjektiv!

Den beschriebenen Effekt nennt man Halo-Effekt und er wurde von Phil Rosenzweig, Professor am International Institut for Management Development in seinem Buch “Der Halo-Effekt” aufgestellt und näher analysiert.

2.

Korrelation und Kausalität

In einer Region hat die Regenmenge prozentual genauso abgenommen wie die Kaufkraft der Bewohner. Kann man nun von der scheinbaren Korrelation auf eine Kausalität schließen. Nein! Genau dieser Mittel aber bedienen sich diejenigen die Anleitungen für das funktionieren von Unternehmen schreiben.

Wer sagt denn das die Kundenzufriedenheit dafür ausschlaggebend ist das das Unternehmen eine positive Reputation hat? Kann denn wirklich jemand ausschließen das auf Grund einer guten Unternehmensreputation der Kunde zufriedener ist. Er ist ja schließlich bei einem Top – Unternehmen Kunde.

Beide Richtungen sind möglich und beide sind auch nachgewiesen. Wer hat nun aus Ihrer Sicht Recht und was bedeutet diese Erkenntnis für das Management?

3.

Die einzig wahre Erklärung

Wir Menschen sind so “gestrickt”, dass wir für alles DIE EINE, DIE WAHRE Erklärung haben wollen. Und wir Menschen denken in den Bahnen die wir gelernt haben, die wir kennen.

Diese Erkenntnis spiegelt sich auch hier wieder.

Nehmen Sie jemanden aus dem ökonomischen Bereich wird dieser Ihnen erklären warum es wichtig und richtig ist wenn Sie Ihre Entscheidungen an Hand von (Unternehmens-)Zahlen fällen.

Nehmen Sie jemanden aus dem Marketingbereich wird dieser Ihnen die alleinige Wichtigkeit des Marketings erklären.Nehmen Sie jemanden der sich auf Strategie, Organisationsgestaltung Social Media spezialisiert hat, wird er Ihnen Entsprechendes klar machen wollen.

Diesem Irrtum sollten Sie niemals unterliegen. Das ist gefährlich für jedes Unternehmen und führt Sie unweigerlich in die falsche Richtung.

Wäre es nämlich so einfach, dann wären schlicht alle Unternehmen gleichermaßen erfolgreich. Eindimensionale Denkweise ist hier völlig fehl am Platz.

4.

Die Illusion wissenschaftliche Gründlichkeit

Lesen Sie mindestens 3 Bücher unterschiedlicher Professoren zu unterschiedlichen Themen der Unternehmensführung. Sollten Sie die Zeit haben, empfehle ich dies an dieser Stelle ausdrücklich.

Sie werden folgendes feststellen:

Prof. 1 von der Universität 1 weist nach das der Unternehmenserfolg zu 50 Prozent auf eine sinnvolle Strategie beruht

Prof. 2 von der Universität 2 weist Ihnen nach das zu 30 Prozent der Unternehmenserfolg vom Human Resources Management abhängt

Prof 3 von der Universität 3 weist Ihnen nach das 30 Prozent auf den Fertigungsprozess entfallen

Ein 4. Buch gefällig?

Prof. 4 von der Universität 4 weist Ihnen nach das zu 25 Prozent der Organisationsgestaltung oder die Beschaffung verantwortlich ist

4 Bücher, 4 Punkte und 135 Prozent Unternehmenserfolg. Ja, das war´s. Methoden lernen, alles optimieren und das Unternehmen wird auch noch in alle Ewigkeit erfolgreich sein.

Sicher hat jeder dieser Professoren absolut sauber gearbeitet und seine Studien durch geführt. Sicher sind auch die Erkenntnisse in irgendeiner Art wichtig. Aber so wie es da gestellt wird ist es eben nicht! Jeder dieser Professoren hat sein Spezialgebiet, jeder dieser Professoren hat eine bestimmte Fragestellung auf die sich die Analyse bezieht usw.

5.

Sieger

Nehmen wir einmal an Sie wollen die Ursache für Krebs herausfinden. Sie müssen nun Studien durchführen. Wie sinnvoll wären diese Studien wenn Sie nun ausschließlich Menschen zu Ihrer Studie hinzunehmen die bereits an Krebs erkrankt sind? Wenn Sie keine gesunden Menschen mit hinzufügen? Sie würden nichts über mögliche Ursachen erfahren! Die Studie hätte also lediglich einen sehr kleinen Wert. Schlimmer noch: Die Studie ließe keinerlei Rückschlüsse zu auf mögliche Risikofaktoren usw.

Sehr schön ist dann auch der Vergleich von Firmen wie Google, Microsoft usw mit kleinen und mittelständischen Unternehmen. Die Erkenntnisse von Google oder Microsoft oder auch GE zu analysieren, deren Modelle zu erkennen und dann auf national operierende Firmen, regionale Unternehmen usw. anwenden zu wollen. Das macht mit Sicherheit nun gar keinen Sinn.

Wie kommt das? Nun, große Beratungsunternehmen, Professoren und sonstige Rezeptschreiber gehen im Regelfall in die großen Unternehmen, haben dort ihre Kontakte die sie auch immer wieder zu unterschiedlichen Fragestellungen nutzen. Zu einem kleinen bis mittelständischen Unternehmen gehen diese Rezeptschreiber gar nicht erst.

6.

Anhaltender Erfolg??? Kennen Sie diesen Slogan? “So werden Sie immer Erfolg haben”? Recht simpel, oder? Nach Meinung verschiedener Autoren gibt es 6 Punkte die Unternehmen zum Erfolg führen und diesen Erfolg auch erhalten:

Firmenphilosophie, Unternehmenskultur, Ziele, Mitarbeiter, Experimentierfreude und Risikobereitschaft Spitzenleistungen.

Einfach – nicht wahr? Wissenschaftlich auch belegt: Man hat 18 der erfolgreichsten Unternehmen analysiert. Zu Glauben das der Unternehmenserfolg nun einzig davon abhängt was die 6 Punkte aufzählen ist Unsinn.

Kundenzufriedenheit, Mitarbeiterentwicklung, Ziele, Werte, alles das sind wichtige Faktoren die ich auch hier auf keinen Fall untergraben will.

Worauf kommt es nun aber tatsächlich an? Die strategischen Entscheidungen im Management hängen davon ab wie sich der Markt entwickelt. Diesen muss man ständig analysieren. 5 Punkte hier haben sich nach Porter heraus kristallisiert:

Verhandlungsmacht der Lieferanten, Gefahr durch Markteintritt von Konkurrenten, Gefahr durch Ersatzprodukte, Verhandlungsmacht der Abnehmer, Grad der Rivalität unter den Wettbewerbern

Diese 5 Punkte sind vor allem Wichtig weil der Grad der Bedrohung für die Unternehmen den Markt unattraktiver macht je höher der Grad ist.

Berater, Rezeptschreiber und Analysten beschäftigen sich im Regelfall mit den Unternehmensinternen Ressourcen, sie gehen u.a. vom Entwicklungsstand des Unternehmens, den Kenntnissen der Mitarbeiter den vorhandenen und den möglichen Ressourcen aus. 

Auch wenn dies im Augenblick erfolgreich ist, bedeutet es nicht auch automatisch den Erfolg im nächsten Augenblick. Im Endeffekt regiert und gewinnt der Markt. Dieser ist ständigen Veränderungen unterworfen und bewegt sich ständig in die eine oder andere Richtung.

Ein Unternehmen zu leiten oder zu führen mit dem ausschließlichen Blick nach innen ist viel zu einseitig für eine anhaltend erfolgreiche Unternehmensführung. Die Analyse nach Innen ist unzureichend genau wie die einseitige, fachspezifische Betrachtung.

Als Fazit dieser Erkenntnisse bleibt:

Management ist und bleibt eine ganzheitliche Aufgabe die eines, bei richtiger Anwendung, erkennen lässt: Unternehmen sind nicht eindimensional. Sie unterliegen bei weitem nicht den immer gleichen Gesetzmäßigkeiten. Unternehmen sind, richtig geleitet und geführt, lernende Organisationen, Individuen für die es kein Rezeptbuch geben kann.

Analyseergebnisse sind auch bei weitem nicht auf jedes Unternehmen übertragbar. Schließlich werden auch Unternehmen von Menschen geführt und geleitet die in ihrer Wahrnehmung und Analyse subjektiv sind.

Es gilt: Unternehmen unterliegen immer den Gesetzmäßigkeiten des Marktes. Diesen zu verstehen, diesen mit zu gestalten, sich diesem unterzuordnen und dennoch mit zu lenken ist eine Aufgabe für die es mehr braucht als einseitige Analysen, einen einseitigen, fachspezifischen Blick.

Der Markt besteht recht simpel nun einmal aus Angebot und Nachfrage. Forschung und Entwicklung, Innovationen usw. all dies ist der Markt. All dies sind die Punkte von die ein Unternehmen abhängig ist.

Wie ich das persönlich sehe:

Als Jemand dessen Tätigkeitsfeld das Management ist sehe ich das wie folgt:

Jedes Unternehmen setzt sich zunächst aus Fachabteilungen zusammen. Sollte es in diesen Fachabteilungen zu Problemen kommen oder sollte es optimiert werden o.ä. dann kann man sich einen externen Berater einkaufen der DIESE Fachabteilung “auf Vordermann” bringt. Dieser Berater muss nachweislich Fachkenntnisse aus diesem UND angrenzenden Bereichen haben. Ziel ist es: Die FACHabteilung auf Vordermann zu bringen ohne Betriebsblindheit und ohne einer entsprechenden emotionalen Betroffenheit

Sollte es im Management (1 – 2 Führungsebene) Probleme geben, eine Umstrukturierung notwendig sein usw dann kann man sich einen Berater einkaufen der über ALLE Führungs- und Leitungsrelevanten Fachgebiete eine entsprechende Qualifikation verfügt. Dies bedeutet: Ich brauch für Managementprobleme keinen BWLer, keinen Controller. Das sind Fachabteilungen. Beim Controller ist das sicher auf Grund seiner Qualifikation nicht so ganz klar abgrenzbar. Hier hilft aber noch immer (man holt sich ja einen Externen) das der Beauftragte nicht Betriebsblind ist.

Für weitere Informationen, Anregungen, Anfragen, Hinweise kontaktieren Sie mich einfach per Mail: management-referent@t-online.de  Meine Webite gibt weitere Auskunft.

Herzliche Grüße Ihr Silvio Tederahn

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